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Hilfswerk der Vereinten Nationen fĂŒr PalĂ€stina-FlĂŒchtlinge im Nahen Osten
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Das Hilfswerk der Vereinten Nationen fĂŒr PalĂ€stina-FlĂŒchtlinge im Nahen Osten (UNRWA, englisch United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East) ist ein temporĂ€res Hilfsprogramm der Vereinten Nationen (UN/UNO), das seit seiner GrĂŒndung 1949cite-ref-2[2] regelmĂ€ĂŸig um drei Jahre verlĂ€ngert wurde (zuletzt im Dezember 2022).cite-ref-3[3] Die Hauptsitze des Hilfswerkes sind in Gaza und Amman.cite-ref-4[4] Seit dem 18. MĂ€rz 2020 wird die UNRWA durch den Schweizer Philippe Lazzarini als Generalkommissar geleitet.cite-ref-5[5] Die Behörde hat etwa 30.000 Mitarbeiter, 13.000 davon im Gazastreifen.cite-ref-4-6-0[6]

Nachdem es immer wieder VorwĂŒrfe gegen die UNO-Organisation aufgrund zu großer NĂ€he zur Hamas gab und Israel im Januar 2024 behauptete, zwölf UNRWA-Mitarbeiter seien in den Terrorangriff auf Israel verwickelt gewesen, stellten zahlreiche Geldgeber, darunter die USA, Großbritannien, Japan, Deutschland, Österreich und die Schweiz, ihre Zusammenarbeit mit UNRWA in Gaza vorĂŒbergehend ein.cite-ref-4-6-1[6]cite-ref-srf-7-0[7]cite-ref-3-8-0[8]cite-ref-9[9] Die UNO entließ in der Folge neun Mitglieder der Behörde wegen einer möglichen Verwicklung in den Terrorangriff.cite-ref-10[10] Eine von Catherine Colonna geleitete Untersuchung kam im April 2024 zu dem Schluss, UNRWA habe eine Reihe „robuster“ Mechanismen etabliert, um die Wahrung des NeutralitĂ€tsgrundsatzes zu gewĂ€hrleisten.cite-ref-3-8-1[8] Es gebe allerdings noch Verbesserungsbedarf; in dem Bericht hieß es außerdem, Israel habe seine VorwĂŒrfe nicht ausreichend belegt.cite-ref-3-8-2[8] Mit Ausnahme der USA nahmen alle LĂ€nder die Zusammenarbeit mit UNRWA in Gaza wieder auf.cite-ref-11[11]

Am 22. Oktober 2025 veröffentlichte der Internationale Gerichtshof (IGH) sein Gutachten zu den Verpflichtungen Israels hinsichtlich der PrĂ€senz und der AktivitĂ€ten der Vereinten Nationen in den besetzten palĂ€stinensischen Gebieten, einschließlich Ostjerusalem. Darin wies der Gerichtshof die VorwĂŒrfe Israels gegen UNRWA hinsichtlich der angeblichen Unparteilichkeit und/oder NichtneutralitĂ€t zurĂŒck und fĂŒhrte an, dass fĂŒr die Behauptung, wonach das Hilfswerk „von der Hamas unterwandert“ sei, keine ausreichenden Beweise vorgelegt wurden. DarĂŒber hinaus stellt der IGH fest, dass Israel verpflichtet ist, die derzeitigen BeschrĂ€nkungen fĂŒr die TĂ€tigkeit der UNRWA aufzuheben und ihr die Arbeit nicht nur zu ermöglichen, sondern diese auch bestmöglich zu unterstĂŒtzen.cite-ref-12[12]cite-ref-13[13]cite-ref-14[14]cite-ref-15[15] Am 29. Dezember 2025 hat das israelische Parlament, die Knesset, ein Gesetz verabschiedet, mit dem die Arbeit der UNRWA in Israel und den besetzten palĂ€stinensischen Gebieten faktisch verunmöglicht wird. Die Versorgung mit Strom, Wasser, Telekommunikations- sowie Finanz- und Bankdienstleistungen fĂŒr die Organisation sollen damit kĂŒnftig unterbunden werden.cite-ref-16[16]cite-ref-17[17]cite-ref-18[18]

Contents

‱ Ausbildung
‱ Kleinkredite
‱ Kritik
‱ Siehe auch
‱ Weblinks

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Geschichte und Mandat

Zur Betreuung palĂ€stinensischer FlĂŒchtlinge infolge des ersten PalĂ€stinakrieges wurde am 19. September 1948 der Sonderfonds United Nations Relief for Palestine Refugees (UNRPR, Hilfe der Vereinten Nationen fĂŒr PalĂ€stina-FlĂŒchtlinge) eingerichtet. Das Ziel des Fonds bestand darin, Hilfsmaßnahmen zu koordinieren. Da dies jedoch nicht ausreichte, wurde UNRWA am 8. Dezember 1949 von der UNO-Generalversammlung ins Leben gerufen und nahm am 1. Mai 1950 seine Arbeit auf. UNRWA hat den Auftrag, den ursprĂŒnglich rund 0,5 Millionen und inzwischen (Stand 2019) 5,5 Millionen registrierten PalĂ€stina-FlĂŒchtlingen UnterstĂŒtzung und Schutz zu gewĂ€hren. Die TĂ€tigkeitsfelder der UNRWA umfassen Bildung, medizinische Versorgung, Hilfs- und Sozialdienste, Lagerinfrastruktur und -verbesserung, Kleinkredite, Schutz und humanitĂ€re Hilfe. Das Mandat der UNRWA wird von der UN-Generalversammlung regelmĂ€ĂŸig um drei Jahre verlĂ€ngert.cite-ref-unrwa-homepage-19-0[19]

Definition von PalĂ€stina-FlĂŒchtling nach der UNRWA

Laut UNRWAs Definition gelten solche Personen als PalĂ€stina-FlĂŒchtlinge, „deren stĂ€ndiger Wohnsitz zwischen 1. Juni 1946 und 15. Mai 1948 in PalĂ€stina lag und die ihren Wohnsitz und ihre Lebensgrundlage durch den Arabisch-Israelischen Krieg von 1948 verloren haben“.cite-ref-0-20-0[20] Die UNRWA registriert auch die Nachkommen von PalĂ€stina-FlĂŒchtlingen und adoptierte Personen.cite-ref-wp010814-21-0[21] Andere Gruppen mit speziellem Status haben ebenfalls das Recht, sich registrieren zu lassen und Hilfsleistungen in Anspruch zu nehmen, solange sie sich in UNRWAs Einsatzgebieten aufhalten und die BedĂŒrftigkeitskriterien der Organisation erfĂŒllen. Israel zĂ€hlte auch als Einsatzgebiet mit seinen etwa 100000 PalĂ€stina-FlĂŒchtlingen (1948), davon 60000 bis 70000 Juden,cite-ref-jew-refugees-from-palestine-22-0[22] wovon etwa 53000 als BinnenflĂŒchtlinge bald an ihre Heimatorte zurĂŒckkonnten und wirtschaftlich wieder auf eigene FĂŒĂŸe kamen, und 31000 Araber, so dass 48000 im Jahre 1949 gezĂ€hlt wurden.cite-ref-23[23] Deren Integration verlief so erfolgreich, dass die UNWRA in Israel immer weniger PalĂ€stina-FlĂŒchtlingen helfen musste, worauf die Regierung in Jerusalem ab 1952 die Betreuung der FlĂŒchtlinge in Israel selbst ĂŒbernahm.cite-ref-unyearbook-report-of-the-unwra1953-24-0[24]

Im Oktober 2023 betreute die UNRWA im Nahen Osten insgesamt rund sechs Millionen palĂ€stinensische FlĂŒchtlinge und deren Nachkommen.cite-ref-1-25-0[25]

Organisation und Finanzierung

Die UNRWA unterhĂ€lt Einrichtungen in Jordanien, Syrien, Libanon, dem Gazastreifen und dem Westjordanland. Das regulĂ€re Budget belief sich im Jahr 2013 auf insgesamt etwa 587 Millionen US-Dollar. Dazu kamen weitere 632 Millionen US-Dollar fĂŒr Projekte. Das Gros der Finanzierung wird durch freiwillige Zahlungen der Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen sichergestellt.cite-ref-26[26]

Das Hilfswerk wurde als eine Organisation auf Zeit gegrĂŒndet, die den FlĂŒchtlingen/Vertriebenen bis zur Regelung der PalĂ€stinafrage beistehen sollte. Ihre TĂ€tigkeit bestand zunĂ€chst in der Bereitstellung von Nothilfe, also Lebensmitteln, UnterkĂŒnften, Kleidung und der wichtigsten medizinischen Versorgung. Heute gehen mehr als die HĂ€lfte des UNRWA-Jahreshaushaltes in die Bildung,cite-ref-dgvn-27-0[27] 20 % ins Gesundheitswesen und 10 % in die Sozialhilfe; mit dem Rest werden die administrativen Kosten bestritten.

Der Hauptsitz des Hilfswerkes war zunĂ€chst Beirut, wurde 1978 aufgrund der Unruhen im Libanon nach Wien und 1996 weiter nach Gaza verlegt. Ein weiterer Hauptsitz existiert in Amman.cite-ref-28[28] An den Amtssitzen sind etwa 500 Personen beschĂ€ftigt.cite-ref-un-2006-29-0[29] Der Großteil der 28.800 Bediensteten sind PalĂ€stinenser, nur 153 Dienstposten sind international besetzt.cite-ref-un-2006-29-1[29]

Die Organisation sah sich durch die stetig steigende Zahl der LeistungsempfÀnger und mangelnde Finanzierung bereits mehrfach am Rande des Kollaps: So im November 2020,cite-ref-30[30] im November 2021cite-ref-31[31] und in Folge des Terrorangriffs der Hamas auf Israel und der darauffolgenden Bombardierung des Gazastreifens durch die Israelische Luftwaffe im Oktober/November 2023.cite-ref-1-25-1[25]

2013 waren die USA mit 294 Millionen US-Dollar der grĂ¶ĂŸte nationale Geldgeber, gefolgt von Saudi-Arabien, das sich mit 151 Millionen US-Dollar beteiligte. Die EuropĂ€ische Union beteiligte sich 2013 mit Zuwendungen in einer Gesamthöhe von 216 Millionen US-Dollar (Stand 31. Dezember 2013).cite-ref-32[32]

Nach Protesten u. a. der UNRWA gegen Donald Trumps Anerkennung von Jerusalem als Israels Hauptstadt kĂŒrzten die USA ihre Mittel fĂŒr die UNRWA und sprachen von PlĂ€nen, Millionen PalĂ€stinensern den FlĂŒchtlingsstatus abzuerkennen. Im August 2018 verkĂŒndeten sie das Ende ihrer Finanzierung fĂŒr die UNRWA unter Hinweis auf interne Probleme der Organisation und die mangelnde Bereitschaft anderer Staaten, zur Finanzierung beizutragen.cite-ref-33[33] Der deutsche Bundesaußenminister Heiko Maas sprach sich daraufhin fĂŒr ein höheres Engagement seitens Deutschland und der EuropĂ€ischen Union aus, da ein Ausfall der Organisation eine „nicht kontrollierbare Kettenreaktion“ auslösen könne.cite-ref-34[34] Wenige Wochen spĂ€ter bot Trump laut Medienberichten den PalĂ€stinensern 5 Milliarden US-Dollar Hilfe an, damit sie an den Verhandlungstisch mit Israel zurĂŒckkehren. Die Medien berichteten auch von Kritik, Trump setze durch diese Handlungen die humanitĂ€re Hilfe als Waffe ein.cite-ref-35[35] Die neue US-Regierung um PrĂ€sident Joe Biden hat 2021 die gestoppten Zahlungen wieder aufgenommen.cite-ref-36[36]

Deutschland beteiligte sich 2020 mit 91 Millionen Euro, die vor allem zur ErnĂ€hrungssicherheit eingesetzt werden sollten. 20 Millionen Euro davon waren fĂŒr die EindĂ€mmung von Covid-19 und die Linderung der humanitĂ€ren Folgen der Pandemie vorgesehen.cite-ref-37[37]

Liste der Generalkommissare

‱ Howard Kennedy Kanada Kanada, Mai 1950 bis Juni 1951
‱ John Blandford Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten, Juli 1951 bis 20. MĂ€rz 1953
‱ Henry Richardson Labouisse Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1954 bis 1958
‱ John H. Davis Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten, Februar 1959 bis Dezember 1963
‱ Laurence Michelmore Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten, Januar 1964 bis April 1971
‱ John Shaw Rennie Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich, April 1971 bis April 1977
‱ Thomas McElhiney Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten, April 1977 bis April 1979
‱ Olof Rydbeck Schweden Schweden, Juni 1979 bis Oktober 1985
‱ Giorgio Giacomelli Italien Italien Oktober 1985 bis 28. Februar 1991
‱ Ilter TĂŒrkmen Turkei TĂŒrkei, 1. MĂ€rz 1991 bis 29. Februar 1996
‱ Peter Hansen Danemark DĂ€nemark, 29. Februar 1996 bis 31. MĂ€rz 2005
‱ Karen Koning AbuZayd Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten, 28. Juni 2005 bis 20. Januar 2010
‱ Filippo Grandi Italien Italien, 2010 bis 29. MĂ€rz 2014
‱ Pierre KrĂ€henbĂŒhl Schweiz Schweiz, 30. MĂ€rz 2014 bis November 2019
‱ Philippe Lazzarini Schweiz Schweiz, seit MĂ€rz 2020

TĂ€tigkeitsfelder

Die Arbeit von UNRWA konzentriert sich auf die Bereiche:

‱ Ausbildung
‱ Medizinische Versorgung
‱ FĂŒrsorge und Sozialdienste
‱ Lagerinfrastruktur und -verbesserung
‱ Kleinkredite
‱ Schutz
‱ HumanitĂ€re Hilfe (darunter Lebensmittelversorgung)

Ausbildung

UNRWA betreibt eines der grĂ¶ĂŸten Schulsysteme im Nahen Osten. Jeden Tag erhalten ca. 500.000 Kinder ihre Schulbildung in einer der knapp 700 UNRWA-Schulen in der Region,cite-ref-edu-0-39-0[39] deren Lehrplan jenem der staatlichen Schulen angeglichen wurde. In einem UNRWA-SchulgebĂ€ude sind oft zwei Schulen untergebracht, der Unterricht findet dann in zwei Schichten statt. Durch acht UNRWA-Zentren in der Region fördert UNRWA auch technische und handwerkliche Ausbildung (TVET – Technical Vocational Education and Training) fĂŒr ungefĂ€hr 7200 PalĂ€stina-FlĂŒchtlinge.cite-ref-edu-0-39-1[39]

Mit der Zeit haben sich die UNRWA-Schulen einen Ruf fĂŒr hohe schulische Leistungen und niedrige Abbrecherquoten bei gleichbleibender GeschlechterparitĂ€t seit den 1960er-Jahren verdient. UNRWA-Schulen ĂŒbertreffen öffentliche Schulen kontinuierlich um eine Spanne, die mehr als einem zusĂ€tzlichen Schuljahr entspricht, heißt es in einem Bericht der Weltbank aus dem Jahr 2014.cite-ref-40[40]

Nach der Hauptschule können palĂ€stinensische Kinder die Oberstufe einer öffentlichen Mittelschule besuchen und sich um ein UNRWA-Stipendium fĂŒr eine Hochschule bewerben. Oder sie können versuchen, einen der etwa 5.600 StudienplĂ€tze in einer der acht Berufsschulen bzw. Lehrerbildungsanstalten des Hilfswerks zu bekommen. Viele Absolventen dieser Schulen fanden Posten in den Golfstaaten und in anderen arabischen LĂ€ndern.

Medizinische Versorgung

UNRWA stellt nach eigenen Angaben die grundlegende medizinische Versorgung fĂŒr 3,5 Millionen Patienten durch ein Netzwerk medizinischer Zentren und mobiler Ambulanzen sicher. Im Nahen Osten betreibt die UNRWA mehr als 140 Gesundheitszentren. Jedes Jahr bewĂ€ltigen die medizinischen Mitarbeiter der UNRWA mehr als 9 Millionen Patientenbesuche. Zudem bezuschusst das Hilfswerk den Zugang einkommensschwĂ€cherer PalĂ€stina-FlĂŒchtlinge zur medizinischen SekundĂ€r- und TertiĂ€rversorgung.cite-ref-41[41] FlĂŒchtlingen/Vertriebenen, die der stationĂ€ren Behandlung bedĂŒrfen, stehen Betten in 42 öffentlichen und privaten KrankenhĂ€usern zur VerfĂŒgung, die von UNRWA subventioniert werden.

FĂŒrsorge- und Sozialdienste

Diese UnterstĂŒtzung konzentriert sich auf die Ă€rmsten FlĂŒchtlinge. Dies schließt die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln, finanzielle UnterstĂŒtzung wie auch wenn nötig die Unterbringung mit ein.

Die UNRWA betreute 2013 ca. 292.000 FĂŒrsorgeempfĂ€nger (special hardship cases) in der FlĂŒchtlings-/Vertriebenengemeinde.cite-ref-42[42] Weiterhin werden etwa 22.000 Familien im Gaza-Streifen und dem Westjordanland mit Nahrungsmitteln versorgt. Allein im Gaza-Streifen waren das 2009 etwa 750.000 Menschen.cite-ref-unrwa-homepage-19-1[19] Die Zahl erhöhte sich stetig weiter, im November 2012 wurden rund 800.000, im Sommer 2014 rund 830.000 Menschen im Gaza-Streifen von der UNRWA mit Lebensmitteln versorgt.cite-ref-43[43]cite-ref-44[44] 2016 erhielten allein im Gaza-Gebiet 970.000 Personen zeitweise verschiedene Formen von UNRWA-UnterstĂŒtzung.cite-ref-45[45] Im Mai 2019 erhielten mehr als eine Million Personen UNRWA-Lebensmittelhilfen.cite-ref-unrwa130519-46-0[46]

Kleinkredite

Seit 1991 vergibt UNRWA Kredite an Einzelunternehmer und Kleinbetriebe. Über das Kleinkreditprogramm der UNRWA wurden Darlehen im Wert von ĂŒber 420 Millionen Euro gewĂ€hrt.cite-ref-47[47]

Lagerinfrastruktur und -verbesserung

UNRWA sorgt fĂŒr die Renovierung von UnterkĂŒnften und die Verbesserung der Infrastruktur und der Lebensbedingungen in den 58 Lagern der GastlĂ€nder fĂŒr PalĂ€stina-FlĂŒchtlinge.cite-ref-0-20-1[20]

HumanitÀre Hilfe

In Krisenzeiten leistet die UNRWA humanitĂ€re Hilfe (Geld, Lebensmittel, Unterbringung), die an die BedĂŒrfnisse der FlĂŒchtlinge angepasst ist, vor allem in Syrien und in dem besetzten palĂ€stinensischen Gebiet. Wenn nötig setzt sie mobile Kliniken ein, eröffnet neue medizinische Versorgungsstellen und erhöht die Bezuschussung und Bereitstellung der SekundĂ€r- und TertiĂ€rversorgung.cite-ref-0-20-2[20]

Kritik

FlĂŒchtlingsstatus

Ein Kritikpunkt ist die Ausweitung der Definition der UNRWA fĂŒr einen „PalĂ€stina“-FlĂŒchtling. WĂ€hrend die Agentur anfangs die Enkelkinder von FlĂŒchtlingen offenbar nicht als FlĂŒchtlinge betrachtete, sind heute alle Nachkommen vĂ€terlicherseits registrierungsberechtigt, und sogar Personen, deren Verbindung zum FlĂŒchtlingsstatus recht vage ist. So haben z. B. Frauen, die frĂŒher mit registrierten FlĂŒchtlingen verheiratet waren, und auch legal von FlĂŒchtlingen adoptierte Kinder, Anspruch auf UNRWA-Leistungen.cite-ref-48[48]

Beziehung zur Hamas und anderen islamistischen Gruppen

2004 Ă€ußerte UNRWA-GeneralsekretĂ€r Peter Hansen, dass gewiss auch Hamas-Mitglieder bei der UNRWA angestellt seien, dass ihm dies aber unproblematisch scheine, da es sich bei Hamas um eine politische Organisation handle, bei der „mitnichten jedes Mitglied militant“ sei.cite-ref-49[49] Von der Agentur Reuters zitierte UN-Offizielle sprachen davon, dass er nach einer „langen Kampagne“ vonseiten der USA und Israels gegen seine Person daraufhin gezwungen gewesen sei, seinen Posten zu verlassen.cite-ref-50[50] In den folgenden Jahren wurde der UNRWA wiederholt von Israel vorgeworfen, Hamas profitiere von ihrer Arbeit.cite-ref-51[51]

Im August 2023 protestierte die UNRWA gegen die Anwesenheit von bewaffneten KĂ€mpfern islamistischer Gruppen in einigen ihrer Schulen und anderen Einrichtungen und drohte, ihre Arbeit im Libanon einzustellen.cite-ref-52[52]

Stand 2023 erreichen die fĂŒr palĂ€stinensische FlĂŒchtlinge vorgesehenen HilfsgĂŒter und finanziellen Mittel der UN, die ĂŒber die UNRWA im Gazastreifen verteilt werden, auch die Terrororganisation Hamas. Nach Angaben des Washington Institute for Near East Policy ist die UNRWA relativ machtlos gegen Praktiken der Hamas, Einrichtungen der UNRWA fĂŒr eigene Zwecke zu nutzen; Hamas ĂŒberwache „jegliche GeschĂ€ftsbewegung und auch humanitĂ€res Business im Gazastreifen.“ Die UNRWA verurteilte mehrfach die Nutzung von RĂ€umen durch die Hamas.cite-ref-1-25-2[25] Nach eigenen Angaben entdeckte das israelische MilitĂ€r unterhalb der UNRWA-Zentrale einen Tunnel mit einem Datenzentrum der Hamas.cite-ref-5-53-0[53] Die UNRWA gab an, nichts davon gewusst und das GebĂ€ude ohnehin schon lĂ€nger nicht mehr genutzt zu haben.cite-ref-5-53-1[53]

RaketenaffÀre 2014

WĂ€hrend des Gaza-Konflikts 2014 dienten 85 (wegen Schulferien seit Anfang Juni geschlossene) UNRWA-Schulen als „ausgewiesene NotunterkĂŒnfte“ („Designated Emergency Shelters“) und wurden daher regelmĂ€ĂŸig von UNRWA-Angestellten inspiziert, um ihre NeutralitĂ€t sicherzustellen. Am 16. Juli fanden UNRWA-Angestellte bei einer solchen Inspektion Mörser und Mörser-Munition in der Gaza Beach Elementary School. Am Tag darauf veröffentlichte die UNRWA eine Verurteilung der Lagerung von „Raketen“ in UNRWA-Einrichtungencite-ref-54[54] und verordnete, dass von nun an UNRWA-Schulen tĂ€glich inspiziert werden mĂŒssten.cite-ref-secgen-55-0[55] Im Rahmen der UNRWA-Inspektionen wurden am 29. Juli in der Nuseirat Preparatory School ein weiterer Mörser nebst Munition gefunden, der bei der letzten Inspektion am 27. Juli noch nicht aufgefallen war. Zudem meldete eine Gruppe von GeflĂŒchteten am 22. Juli im Schulhof der Jabalia Elementary and Ayyobiya Boys School ein „von einem Tuch bedecktes Objekt“, das nach dem Urteil der GeflĂŒchteten und von UNRWA-Inspekteuren eine Waffe gewesen sein könnte. Die UN-Nachuntersuchung fasst zusammen: „Niemand nĂ€herte sich dem Objekt, um zu bestĂ€tigen, dass es sich tatsĂ€chlich um eine Waffe handelte. Auch keine Fotos wurden gemacht. Die Untersuchungskommission war daher nicht in der Lage, mit Gewissheit zu bestĂ€tigen, welche Art von Waffe in der Schule versteckt gewesen sein könnte. Sie hielt jedoch abschließend fest, dass eine bewaffnete palĂ€stinensische Gruppe mit hoher Wahrscheinlichkeit das GelĂ€nde als Waffenversteck genutzt haben könnte.“cite-ref-secgen-55-1[55] Noch am Tag der Meldung veröffentlichte die UNRWA eine weitere Stellungnahme, die wieder die PrĂ€senz von „Raketen“ in UNRWA-Einrichtungen verurteilte.cite-ref-56[56]

Nach dem ersten Waffenfund am 16. Juli beschossen die Israelischen VerteidigungskrĂ€fte (IDF) ab 17. Juli mehrere andere UNRWA-Schulen im Gaza-Streifen, in denen keine vergleichbaren Waffenfunde dokumentiert wurden; darunter fĂŒnf, die als NotunterkĂŒnfte ausgewiesen worden waren (21-22. Juli: Maghazi Preparatory Girls School; 23. Juli: Deir El Balah Preparatory Girls School; 24. Juli: Beit Hanoun Elementary School; 28./29. Juli: Zaitoun Preparatory Girls School; 30. Juli: Jabalia Elementary Girls School).cite-ref-57[57]

WĂ€hrend und im Nachgang der RaketenaffĂ€re fand dieselbe lauten Widerhall in der Presse und bei Menschenrechtsorganisationen: Die Israel National News etwa bezichtigte die UNRWA, „Raketen“ „an Hamas zu ĂŒbergeben“;cite-ref-58[58] Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch kritisierten grundsĂ€tzlich das Lagern von Waffen in Schulen und das Bombardement ebensolcher.cite-ref-59[59] Vonseiten der UNRWA schließlich ging ĂŒber die beiden oben genannten Pressemeldungen hinaus vor allem ein Videointerview zum Thema mit UNRWA-Sprecher Christopher Gunness viral, in dem dieser Israel unter TrĂ€nen vorwarf, PalĂ€stinensern und ihren Kindern grundlegende Rechte vorzuenthalten. Israels Botschafter Ron Prosor forderte daraufhin seinen RĂŒcktritt.cite-ref-wp010814-21-1[21]

Zur Kritik am Agieren der UNRWA zog die zur Untersuchung von Waffen-Lagerung und Schul-Bombardement eingesetzte UN-Kommission in der Zusammenfassung des Berichts des Untersuchungsausschusses am Sitz der Vereinten Nationen ĂŒber bestimmte VorfĂ€lle im Gazastreifen zwischen dem 8. Juli 2014 und dem 26. August 2014 durch den GeneralsekretĂ€r das folgende Fazit:

„Kommission stellte fest, dass die Sicherheit von UNRWA-Anlagen, besonders in Zeiten des Konflikts, eine eminent wichtige Angelegenheit ist, die ernsthaft angemahnt werden muss. Indem sie [zur Sicherung der Anlagen] auf das Job Creation Programme zurĂŒckgriff, legte die UNRWA eine der gefĂ€hrlichsten und fundamentalsten Funktionen in die HĂ€nde von gering entlohntem Personal ohne Security-Ausbildung und ohne Aussicht auf dauerhafte Anstellung. Die Kommission ist der Ansicht, dass ein solch hohes Maß an Verantwortung spezialisiertes und ordentlich ausgebildetes Personal erfordert. [
] Die Kommission stellte [außerdem] fest, dass die UNRWA keine standardisierten AblĂ€ufe hat, die die Pflicht aller Angestellten regelten, welche und wie sicherheitsrelevante Vorkommnisse zu melden seien. [
] Weiterhin stellte die Kommission fest, dass die UNRWA keine Regelung oder keine standardisierten AblĂ€ufe fĂŒr Situationen hat, in denen sich unautorisiert Waffen auf UNRWA-GelĂ€nden befinden. Nachdem am 22. Juli die Waffen aus der UNRWA Jabalia Elementary „C“ und Ayyobiya Boys School verschwunden waren, hat die Zentrale der Vereinten Nationen entsprechende Prozeduren vorgeschlagen. Diese VorschlĂ€ge mĂŒssen noch durch den Erlass detaillierter standardisierter AblĂ€ufe „operationalisiert“ werden.“

–

Schreiben des GeneralsekretÀrs vom 27. April 2015 an den PrÀsidenten des Sicherheitsrats

:

United Nations – Security Council S/2015/286

SchulbĂŒcher

Kritik gibt es regelmĂ€ĂŸig auch am Unterricht an Schulen der UNRWA. So sei in SchulbĂŒchern Israel nicht als Staat zu erkennen, jĂŒdische StĂ€dte, die nach 1948 gegrĂŒndet wurden, seien getilgt und auf Abbildungen von Briefmarken aus der britischen Mandatszeit sei die hebrĂ€ische Sprache neben der englischen und arabischen Sprache einfach ausradiert worden.cite-ref-61[61]cite-ref-62[62]cite-ref-63[63]cite-ref-64[64]

Am 17. Oktober 2018 zeigte der BĂŒrgermeister von Jerusalem, Nir Barkat, vor einem Knesset-Ausschuss ein Schulbuch, das in den Schulen der UNRWA in Gebrauch ist. Dort werde u. a. die Terroristin Dalal al-Mughrabi gelobt, die den KĂŒstenstraßen-Anschlag angefĂŒhrt hat, bei dem 38 israelische Zivilisten – darunter zehn Kinder – in einem Bus ermordet wurden.cite-ref-65[65]

Das EU-Parlament verabschiedete am 28. April 2021 eine Resolution, in der es die UNRWA wegen ihrer SchulbĂŒcher rĂŒgte. Diese wĂŒrden Hass und Gewalt verbreiten. Die Resolution fordert die UNRWA auf, die entsprechenden Inhalte zu entfernen. Außerdem sollen europĂ€ische Hilfen zukĂŒnftig davon abhĂ€ngig gemacht werden, ob die UNESCO-Standards fĂŒr Frieden, Toleranz, Koexistenz und Gewaltlosigkeit eingehalten werden.cite-ref-66[66]

Antisemitismus

2017 veröffentlichte die israelnahe NGO UN Watch einen Bericht ĂŒber 40 FĂ€lle, in denen Lehrer an UNRWA-Schulen in Gaza, Libanon, Jordanien und Syrien auf ihren Facebook-Seiten „zu jihadistischem Terrorismus und Antisemitismus aufgerufen“, den Holocaust geleugnet oder Hitler gefeiert hĂ€tten.cite-ref-67[67]cite-ref-68[68]cite-ref-69[69]

Im Jahr 2018 wurde die UNRWA vom jĂŒdischen Simon Wiesenthal Center auf Platz fĂŒnf der schlimmsten antisemitischen VorfĂ€lle des Jahres gewĂ€hlt, weil sie erstens SchĂŒlern fĂŒr Proteste gegen die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt durch die USA zwei Tage lang schulfrei gegeben hatten und weil zweitens auch „UNRWA-Angestellte und -SchĂŒler wĂ€hrend der Sommerferien an Waffentrainings mit scharfer Munition teilgenommen“ hatten.cite-ref-70[70]

Unzureichende Versorgung 2016

2016 musste die UNRWA wegen eines Haushaltslochs KĂŒrzungen bei der medizinischen FĂŒrsorge ankĂŒndigen. Als kurze Zeit spĂ€ter dem 23-jĂ€hrigen Omar Kudeir die medizinische Behandlung seiner angeborenen Bluterkrankung aus KostengrĂŒnden verwehrt wurde und dieser sich daraufhin zum Protest anzĂŒndete und starb, brachen unter palĂ€stinensischen FlĂŒchtlingen heftige Proteste gegen diese KĂŒrzungen aus.cite-ref-71[71]

Fehlverhalten in der Leitungsebene 2019

Ein interner Bericht der UNRWA-Abteilung fĂŒr Ethik vom Juli 2019 warf leitenden Angestellten aus einem inneren Zirkel um Generalkommissar Pierre KrĂ€henbĂŒhl Machtmissbrauch, Vetternwirtschaft und die UnterdrĂŒckung von abweichenden Meinungen vor. Namentlich wurden in dem Bericht neben KrĂ€henbĂŒhl auch dessen frĂŒhere Stellvertreterin Sandra Mitchell, der frĂŒhere Personalchef Hakam Shahwan und KrĂ€henbĂŒhls Beraterin Maria Mohammedi genannt.cite-ref-72[72] Daraufhin setzten die Schweiz, Belgien, die Niederlande und Neuseeland ihre finanzielle UnterstĂŒtzung aus.cite-ref-73[73] Am 6. November 2019 trat der Generalkommissar KrĂ€henbĂŒhl zurĂŒck.cite-ref-74[74]cite-ref-75[75]

Vorwurf der Verwicklung in den Terrorangriff auf Israel 2023

Ende Januar 2024 ĂŒbermittelte Israel der UNRWA Informationen ĂŒber eine Beteiligung von zwölf Mitarbeitern – die UNRWA hat insgesamt 32.000 Mitarbeitercite-ref-76[76] – am Terrorangriff der Hamas im Oktober 2023.cite-ref-77[77] In den folgenden Monaten erhoben verschiedene israelische Stellen Ă€hnliche noch umfassendere Anschuldigungen mit jeweils unterschiedlichen Zahlen dazu, wie viele UNRWA-Mitarbeiter Beziehungen zur Hamas hĂ€tten: Ebenfalls noch im Januar, 10 % aller UNRWA-Mitarbeiter hĂ€tten direkte Verbindungen und 49 % ĂŒber Familienmitglieder indirekte Verbindungen zu Terrororganisationen;cite-ref-78[78] im Februar, 12 % der 13.000 UNRWA-Mitarbeiter im Gazastreifen seien selbst Mitglieder bei Hamas oder anderen militanten Gruppen;cite-ref-79[79] im MĂ€rz, dasselbe gelte fĂŒr 450 UNRWA-Mitarbeiter.cite-ref-80[80] Zuletzt veröffentlichte die israelische Botschaft in Deutschland am 11. Juli 2024 eine Pressemitteilung mit dem Titel „Pressemitteilung: Hunderte UNRWA-Mitarbeiter als Terroristen identifiziert“ und dem Untertitel „Israel hat 100 UNRWA-Mitarbeiter identifiziert, die gleichzeitig in der Hamas aktiv sind.“cite-ref-81[81]

Zudem waren nach israelischen Angaben drei getötete Geiseln in einem Tunnel unter einem UNRWA-GebĂ€ude gefunden worden und die Mutter einer freigelassenen Geisel hatte ausgesagt, diese sei wĂ€hrend ihrer Gefangenschaft im Gazastreifen fĂŒr eine gewisse Zeit in Einrichtungen der UNRWA festgehalten worden. In beiden FĂ€llen teilte UNRWA mit, sie habe zum betreffenden Zeitpunkt die jeweilige Region und GebĂ€ude bereits verlassen mĂŒssen, und forderte eine unabhĂ€ngige Untersuchung dieser möglichen MissbrĂ€uche von UN-Einrichtungen.cite-ref-82[82]

UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres zeigte sich nach dem ersten Vorwurf entsetzt ĂŒber die Nachricht, dass mehrere UNRWA-Mitarbeiter in die TerroranschlĂ€ge in Israel verwickelt sein könnten, und drohte den Betroffenen mit strafrechtlichen Konsequenzen, sollte die Untersuchung ihre Beteiligung an den Attacken ergeben.cite-ref-83[83] Die Beschuldigten wurden noch vor einer PrĂŒfung der VorwĂŒrfe umgehend entlassen.cite-ref-84[84] Nach einer mehrmonatigen Ermittlung durch die Office of Internal Oversight Services (OIOS), bei der noch sieben weitere Mitarbeiter mit-ĂŒberprĂŒft worden waren,cite-ref-85[85] ließ sich bei keinem Mitarbeiter eine Beteiligung nachweisen, aber der Vorwurf auch nicht bei jedem Mitarbeiter ausrĂ€umen. Bei neun Mitarbeitern, die „beteiligt gewesen sein könnten“, blieben die KĂŒndigungen bestehen.cite-ref-86[86] Bei einer gleichzeitigen ÜberprĂŒfung der NeutralitĂ€tsstrukturen von UNRWA beurteilte eine unabhĂ€ngige PrĂŒfgruppe unter der Leitung von Catherine Colonna im sog. „Colonna-Bericht“, Israel habe keine Belege fĂŒr seine Sammel-VorwĂŒrfe vorgelegt und die Strukturen von UNRWA zur Sicherstellung der NeutralitĂ€t von Angestellten seien „robust“. Probleme hĂ€tten sich gezeigt bei (1) Mitgliedern, die ihre politischen Ansichten öffentlich Ă€ußerten, (2) SchulbĂŒchern (s. o.) und (3) politisierten Gewerkschaften, die UNRWA-interne operationelle AblĂ€ufe störten. FĂŒr diese Probleme wurden mehrere Maßnahmen zur Nachbesserung der Strukturen empfohlen;cite-ref-87[87] UNRWA kĂŒndigte an, dass sie diese umsetzen werde.cite-ref-88[88]

In der Zwischenzeit hatten mehrere Staaten und StaatenverbĂŒnde ihre Zahlungen an UNRWA eingestellt – darunter die Hauptgeber USA, EU und Deutschland –, andere LĂ€nder ihre BeitrĂ€ge dafĂŒr erhöht: 1 Million Euro im Fall von Portugal, 3,5 Millionen Euro im Fall von Spanien sowie 20 Millionen Euro im Fall von Irland.cite-ref-irland-89-0[89] SpĂ€testens nach Veröffentlichung des Colonna-Berichts waren auch von den meisten der erstgenannten Staaten(verbĂŒnde) die Zahlungen wieder aufgenommen worden,cite-ref-90[90] zuletzt von Großbritannien im Juli 2024.cite-ref-91[91] Bedeutende Ausnahmen sind die USA, die Zahlungen an UNRWA zunĂ€chst bis 2025 auf Eis gelegt hatten und dann ganz strichen,cite-ref-92[92] und die Schweiz, die nach zwischenzeitlicher Wiederaufnahme der Zahlungen dieselben fĂŒr die Region PalĂ€stina im September 2024 erneut aussetzte.cite-ref-93[93]

Dagegen stufte die Knesset, das israelische Parlament, im Oktober 2024 UNRWA als „Terrororganisation“ ein und verbot ihr ab 2025 durch die Verabschiedung mehrerer Gesetze mit großer Mehrheit die TĂ€tigkeit auf israelischem Staatsgebiet.cite-ref-94[94] Der UN-Sicherheitsrat forderte in einer einstimmigen Stellungnahme, das Arbeitsverbot fĂŒr UNRWA rĂŒckgĂ€ngig zu machen, und warnte vor schwerwiegenden humanitĂ€ren Folgen fĂŒr Millionen palĂ€stinensischer FlĂŒchtlinge.cite-ref-95[95]

Im Oktober 2025 ĂŒbernahm der Internationale Gerichtshof in einem Rechtsgutachten die EinschĂ€tzungen der UN-Untersuchungen, in keinem Fall der ĂŒberprĂŒften Einzel-Anschuldigungen durch Israel habe sich eine Beteiligung von UNRWA-Mitarbeitern am Angriff vom 7. Oktober 2023 nachweisen lassen; bei den Sammel-Anschuldigungen sei Israel Nachweise schuldig geblieben. Die umgehende Reaktion durch UNRWA auf die VorwĂŒrfe und die Ergebnisse der beiden Untersuchungen erwiesen die israelischen Anschuldigungen als substanzlos; UNRWA könne weiterhin als „neutrale Organisation“ gelten und Israel sei verpflichtet, dem Hilfswerk, das sich als „unersetzbar“ erwiesen habe, weiterhin die ErfĂŒllung seiner Aufgaben zu ermöglichen.cite-ref-96[96]

Vorwurf der Folter von UNRWA-Mitarbeitern durch Israel

Laut einem Bericht der UNRWA vom Februar 2024 haben israelische Beamte UN-Mitarbeiter festgenommen und gefoltert, um sie zu zwingen, fĂ€lschlicherweise zu behaupten, dass Mitarbeiter der Agentur an dem Angriff vom 7. Oktober beteiligt waren.cite-ref-97[97] Die FoltervorwĂŒrfe stammten von Mitarbeitern, die angaben, unter Folter und Misshandlung GestĂ€ndnisse abgelegt zu haben, darunter „SchlĂ€ge, Schlafentzug, sexueller Missbrauch und Drohungen mit sexueller Gewalt gegen MĂ€nner und Frauen“ in israelischer Haft.cite-ref-98[98] Gefangene berichteten, dass sie bis auf ihre UnterwĂ€sche entkleidet und vollstĂ€ndig nackt gezwungen wurden.cite-ref-99[99]

Im MĂ€rz 2024 berichtete die UNRWA von „unzĂ€hligen“ dokumentierten FĂ€llen von Folter in israelischen GefĂ€ngnissen, darunter SchlĂ€ge und sexuelle Übergriffe.cite-ref-100[100] Die UN erklĂ€rten, dass Israel ihre Mitarbeiter gefoltert habe, um erzwungene GestĂ€ndnisse zu erhalten.cite-ref-101[101]cite-ref-102[102] In einem Bericht vom April 2024 erklĂ€rte die UNRWA: „MĂ€nnliche Opfer berichteten von SchlĂ€gen an ihre Genitalien, wĂ€hrend ein Gefangener angab, gezwungen worden zu sein, auf eine elektrische Sonde zu sitzen.“cite-ref-103[103]

In einer ErklĂ€rung sagte der Kommunikationsdirektor der UNRWA: „Wenn der Krieg zu Ende ist, mĂŒssen eine Reihe von Untersuchungen eingeleitet werden, um alle VerstĂ¶ĂŸe gegen die Menschenrechte zu untersuchen.“cite-ref-104[104] Die Israelischen VerteidigungsstreitkrĂ€fte erklĂ€rten, sie untersuchten „Beschwerden ĂŒber unangemessenes Verhalten“.cite-ref-105[105]

Als Reaktion auf den Bericht verurteilte die Weltorganisation gegen Folter Israel und erklĂ€rte: „Sowohl Folter als auch die Verwendung solcher Informationen verstoßen gegen die UN-Konvention gegen Folter“.cite-ref-106[106]

Siehe auch
Weblinks

Commons

: UNRWA

– Sammlung von Bildern

Wiktionary: UNRWA

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ Website der UNRWA (englisch)
‱ Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung (Deutschland): Kurzdossier
‱ Schweiz – Der endlose UNRWA-Skandal. In: juedische-allgemeine.de. 11. Januar 2024; abgerufen am 14. Januar 2024.

Einzelnachweise

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cite-note-44. ↑ Headquarters & Liaison Offices. In: Website der UNRWA, abgerufen am 7. Juni 2017 (englisch).
cite-note-55. ↑ Erneut ein Schweizer zum Chef von PalĂ€stinenserhilfswerk ernannt. In: Tages-Anzeiger. 18. MĂ€rz 2020, abgerufen am 27. Juni 2020.
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cite-note-srf-77. ↑ Entscheid vertagt - Bundesrat will vorerst keine Gelder fĂŒr die UNRWA auszahlen. In: srf.ch. 24. April 2024, abgerufen am 24. April 2024.
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